BRANDSETTER

Brand your way.

Ob Airport, Konzernzentrale, Museum oder Messehallen: Um sich in großen Bauten oder Gebäudekomplexen zurecht zu finden, brauchen Menschen ein Leit- und Orientierungssystem - Wegweiser, Schilder, Piktogramme, Screens oder eine geeignete App auf ihrem Smartphone. Es geht also um ein stringentes und umfassendes Konzept von „Signage“ und „Wayfinding“, und das ist in erster Linie eine Domäne von Information Design und Product Design. Bei Planung, Konzeption, Realisierung und Implementierung eines solchen Systems bedarf es speziellen Know-hows aus unterschiedlichsten Bereichen: Architektur, Topografie, Raumwahrnehmung und Farbwahrnehmung, Materialkunde, Fertigungstechnik - um nur einige Beispiele anzuführen. Dafür ist Fachwissen über Informationsketten, Zielbestätigungen, Aufnahmebereitschaft, Lesbarkeit etc. pp. notwendig. Und da ein solches Orientierungsangebot im Raum normalerweise im Umfeld einer wie auch immer definierten und positionierten Marke erfolgt, gibt es auch Schnittstellen zu Corporate Design und Brand Identity.
 

War man früher der Auffassung, dass gute Architektur selbst für Orientierung sorge, zwingt die heutige Komplexität von Gebäuden und Räumen dazu, dass Leit- und Orientierungssysteme genau an den Stellen einsetzen müssen, wo die Architektur unterschiedliche Entscheidungsmöglichkeiten zulässt. So gesehen, tragen Leit- und Orientierungssysteme als integrale Facette der Brand bzw. Corporate Identity oft erst dazu bei, Gebäudekomplexen - oder auch öffentlichen Räumen - eine besondere und unverwechselbare Identität zu verleihen. Sie sind unverzichtbarer Bestandteil des Serviceangebots einer Marke und sorgen dementsprechend für eine markenspezifische User Experience. 

Vor diesem Hintergrund werden Leit- und Orientierungssysteme mittlerweile als Touchpoint einer Marke gesehen, die im Idealfall positiv in das Markenerlebnis einzahlen, andererseits aber auch – wie zahlreiche Beispiele insbesondere im öffentlichen Raum belegen - negative Wahrnehmungen auslösen können. Deutschland scheint in dieser Hinsicht massive Probleme zu haben: Vergleicht man die nationale Praxis mit den internationalen Ansprüchen, fällt auf, dass in deutschen Städten der öffentliche Raum oft einem Chaos gleicht, während beispielsweise eine Stadt wie Riad für ihr Diplomatenviertel spezielle Anforderungen zur Wegeleitung formulierte, die man dort als „typisch deutsch“ – gut organisiert, konsequent durchgestaltet, solide und nachhaltig – umgesetzt sehen wollte. Die Frage muss erlaubt sein, wie ernst man hierzulande die Idee einer Stadt als Marke nimmt - wofür sich die missverständliche Bezeichnung "Stadt Marketing" eingebürgert hat - und wie konsequent man ihr Erscheinungsbild gestalten und organisieren möchte. So leistet sich etwa Helsinki einen Chief Design Officer, der über die konsistente Umsetzung des urbanen Erscheinungsbildes wacht, und allein London beschäftigt über 100 Designer. Dagegen sind in den meisten deutschen Kommunen die Zuständigkeiten für das Stadtbild unklar oder fehlen schlicht vollständig. Die einschlägigen Briefings – in denen etwa von der Nutzung eines Amtes durch die Bürger die Rede ist – beschränken sich häufig auf Informationen wie „Besucher und Antragsteller haben sich in Zimmer XYZ einzufinden“, „müssen sich im Foyer der Behörde anstellen“ oder „sollen zur weiteren Auftragsbearbeitung am Eingang des Flurs eine Aufrufnummer ziehen“. 

Vorher (links) und danach (rechts)

Orientierungs- und Leitsysteme für kommerzielle Marken wie auch im öffentlichen Raum müssen heute als interdisziplinär konzipiertes Service Design verstanden werden. Ein Beispiel, das zeigt, wie so etwas auch im öffentlichen Bereich funktionieren kann, ist das Frankfurter Ordnungsamt, dessen Leit- und Orientierungssystem vom Wayfinding-Spezialisten unit-design entwickelt und umgesetzt wurde. Was in diesem Zusammenhang für die "Stadtmarke Frankfurt" geleistet wurde, ist in vieler Hinsicht vorbildlich. Auf den ersten Blick wird klar: Die Stadt geht hier auf ihre Bürger - und all die, die es werden wollen - zu und schafft eine Atmosphäre, in der sich die Menschen anerkannt und wertgeschätzt fühlen. 

ÜBER UNIT-DESIGN
Seit Gründung in 2000 befasst sich unit-design mit der Entwicklung und Implementierung von Leit- und Orientierungssystemen in Gebäuden und im öffentlichen Raum. Das von Professor Peter Eckart und Bernd Hilpert gegründete und geführte Büro für Gestaltung in Frankfurt am Main zählt zu den renommierten internationalen Spezialisten in diesem Bereich. Es arbeitet eng mit Architekten und Stadtplanern zusammen und zeichnet sich sowohl durch hohen gestalterischen als auch strategischen Anspruch aus. unit-design hat Leit- und Orientierungssysteme für Konzernzentralen, öffentliche Gebäude und Museen überall auf der Welt konzipiert und umgesetzt. Exemplarische Projekte für den öffentlichen Raum wurden in Städten wie Riad, Le Havre oder den historisch bedeutsamen Dörfern Hahoe und Yangdong in Südkorea realisiert.