AUTOR:
ANDREAS MICHALSKI
 
11.11.2019
Observations

Content Creation - 14.000 Kreative informieren sich in Los Angeles.

Wie jedes Jahr, hatte Adobe zu seiner wichtigsten Veranstaltung, der Adobe MAX, nach Los Angeles eingeladen. Die ganze Welt (Teilnehmer aus 62 Ländern) war vertreten um zu sehen, was Adobe an Neuerungen in 2019 anzubieten hat. Ich muss sagen: es war ein Feuerwerk.

 

Die Adobe MAX bot ihren Teilnehmern wieder ein spannendes Programm aus Trainingsessions (es gibt mehr als 300 verschiedene Veranstaltungen), Informationsvorträgen, zwei Keynote´s, einem Rockkonzert mit den Vampire Weekend. Und mit ganz vielen Möglichkeiten, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Ein Highlight der Adobe MAX, denn die besten Designer der Welt sind hier anzutreffen und man weiß nicht, mit wem man zuerst reden soll. Alle sind zugänglich und bieten jedem Teilnehmer der Veranstaltung Gelegenheit, sich auszutauschen.

Adobe ist mit der MAX etwas Besonderes gelungen, denn hier spürt man die Verbundenheit der Nutzer untereinander und die Verbundenheit mit den Produkten. Stimmen von Agenturen und Unternehmen, die über das Preismodell, die immer weitergehende Verknüpfung der Dienste über die Cloud und damit über zunehmende Abhängigkeit und Unzufriedenheit klagen, hörte man nur am Rande. 

Bei der MAX geht es ausschließlich um „Creativity“: Wo und wann auch immer, soll jeder designen können. Und dabei die Zeit so effizient wie nur möglich nutzen, die im Büro begonnene Arbeit zum Beispiel in Photoshop auf dem Tablet im Zug oder auf dem Flug nach Hause beenden. 13.000 Anwender bejubelten die Präsentationen in der Keynote. Neben den vielen Produktverbesserungen und -ankündigungen waren Zeitersparnis und Effizienz die wichtigsten Zielsetzungen. 

Mit den Erweiterungen der AI-Funktionen, die von der hauseigenen Sensei-Technologie unterstützt werden, beindruckte schließlich Scott Belsky, VP of Product von Adobe.

Adobe Sensei: automatisch richtig.

In der Keynote wurde ein kindlicher Lockenkopf mit all seinen Härchen mit nur zwei Klicks von seinem Hintergrund befreit. Ein Beispiel, für das man mit all seinen Details sonst gut und gern mehrere Stunden benötigt hätte.

Oder ein Video wurde mit Adobe Sensei so umgerechnet, dass es nicht nur in 16:9 toll anzusehen war, auch der Bildausschnitt im Hochformat für Handys wurde richtig fokussiert, damit das wesentliche Objekt optimal dargestellt war. Auch damit konnte man früher einen guten Vormittag zubringen. 

Eine weitere Neuerung ist Photoshop und Illustrator für das iPad, womit der Zusatz „express“ entfällt und schnell klar wurde, dass Photoshop nun vollwertig auf dem iPad zur Verfügung steht. Und die gezeigten Features waren beeindruckend: Freistellen funktionierte genauso einfach wie das Navigieren durch ein riesiges Photoshop-File – in einer Geschwindigkeit, dass man es fast nicht glauben wollte. Belsky ließ wissen, dass man sich intensiv mit der Verbesserung der Geschwindigkeit beschäftigt hat und Adobe stolz darauf ist, dass die nun stabilen Programme und insbesondere die hauseigene Cloud im letzten Jahr zu viel Aufmerksamkeit verholfen haben. 

Mehr Content, mehr Kreativität, mehr Kanäle - weniger Spezialisten.

Adobe MAX 2019 gab einen guten Ausblick, wohin die Reise geht und machte meiner Auffassung nach dabei alles richtig. Adobe machte deutlich, dass man gut gerüstet ist, um mit seinen Produkten und Services immer mehr Kanäle bedienen zu können. Unternehmen und Agenturen werden in der Lage versetzt, den vorhandenen Content kreativ zu gestalten und die zunehmende Menge an Inhalten für die diversen Kanäle zu produzieren. 

Das AI-System Adobe Sensei, lernt mit jeder Benutzung eines Adobe-Produktes mehr (mehrere Milliarden Dokumente hat es schon gesehen) und kann so Benutzer immer besser unterstützen und von wiederholenden Aufgaben entlasten. 

Damit hat Adobe den Grundstein gelegt, komplexe Aufgaben, die bisher (hoch)qualifizierten Spezialisten vorbehalten waren, sagen wir mal, zu demokratisieren. Damit ermöglicht es Adobe immer mehr Menschen Content kreativ erstellen zu lassen. Shantanu Narayen, CEO von Adobe, fasste dies zusammen: „Empower all voices by putting Adobe Magic to work“.

Meine Interpretation: Adobe ist mit seinen Technologien und deren Leistungsfähigkeit gut darauf vorbereitet, mittels AI alle künftigen Aufgaben so zu unterstützen und so einfach zu machen, dass bald jeder damit umgehen kann.

Natürlich bedeutet das auch, dass es mehr Kunden für Adobe geben wird. Die Produkte des Unternehmens sind ja heute schon von keinem kreativen Arbeitsplatz mehr wegzudenken. Der Aktienkurs legte übrigens am Tag nach der ersten Keynote von 248,90 € auf 260 € zu und liegt nun nach der MAX bei 265 Euro. Mal sehen, wo er nach der Adobe MAX 2020 stehen wird. 


Über den Autor:
Andreas Michalski, 1965 in Frankfurt geboren, ist einer der Initiatoren des Web2Print-Marktes. Mit seinem Unternehmen iBrams hat er bereits 1999 die Möglichkeiten erkannt, die der Adobe InDesign-Server für die webbasierte, CI-konforme Bearbeitung bietet. iBrams kam weltweit in großen Konzernen zum Einsatz. Das 40-köpfige iBrams-Team war einer der Innovationstreiber für das regelbasierte Bearbeiten von Marketing-/Kommunikations-materialien. Nach dem Verkauf des Unternehmens an einen französischen DAM-Hersteller, war die Gründung von CI HUB der konsequente Schritt, um „Marketing Automation“ auf einen zeitgemäßen Entwicklungsstand zu bringen. Kontakt: ami(at)ci-hub.com, LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/andreasmichalski/, https://www.ci-hub.com